And the winners are...

Deutscher Nachwuchsfilmpreis

Die Mathematik der Dinge

Deutschland, Köln 2020 | Drehbuch und Regie: Zoe Hagen (geb. 1994)

Manchmal im Leben hat man schwer zu tragen – metaphorisch und buchstäblich. Der erste Film, den wir auszeichnen wollen, stellt eine Entscheidung in den Mittelpunkt, die ein ganzes Leben verändern kann. Eine schwangere Frau stellt sich die Frage: das Kind behalten oder nicht? Kein neuer Konflikt, der hier aber in einer ungewöhnlichen Erzählkonstruktion dargestellt wird.

Der Film gibt seiner Protagonistin den Raum für ihre ganze eigene Perspektive. Er setzt dabei auf pointiertes Timing und unkonventionelle Auflösung und schafft so mit viel Sprach- und Bildwitz eine humorvolle Leichtigkeit, ohne sich vor feinfühliger Tristesse zu scheuen. Manchmal weiß man nicht, ob man sich umbringen oder sich eine Tasse Tee machen soll, aber wir wissen mit Sicherheit: Der Deutsche Nachwuchsfilmpreis 2021 geht an Zoe Hagen für ihren Film „Die Mathematik der Dinge“. Wir gratulieren von Herzen!

The Door of Return

Deutschland, München 2021 | Regie: Anna Zhukovets (geb. 1997), Kokutekeleza Musebeni 

„Die Vergangenheit und die Zukunft sind nicht von der Gegenwart abgetrennt – beide Dimensionen haben Einfluss auf die Ganzheit unseres Lebens, wer wir sind und sein werden, zu jedem möglichen Zeitpunkt in Zeit und Raum.“ Von dieser Intersektionalität der Zeit, die das Künstlerkollektives Black Quantum Futurism hier beschreibt, erzählt unter anderem der Film, den wir auszeichnen wollen. In einer Mischform aus Dokumentation und Science-Fiction berichtet er von den Auswirkungen des strukturellen Rassismus auf Betroffene sowie ihrem unermüdlichen und unbeugsamen Kampf dagegen.

„Your Silence will not protect you“ - diesem Credo von Audre Lord hat sich auch der Film verschrieben, und gibt wichtigen deutschen und internationalen Stimmen antirassistischen Aktivismus und Schwarzer Kultur- und Literaturgeschichte einen Raum. Er zeigt ihre Struggles, ihren Mut, ihre Hoffnungen und betont die Bedeutung ihres Kampfes und auch die anderer, dekolonisierter Geschichtsschreibung.

Der gewaltwollen Gegenwart stellt der Film in Berufung auf Motive afrofuturistischer Tradition eine befreite Zukunft entgegen. Er findet dabei starke Bilder des Widerstands und radikal zärtlichen Zusammenhalts.

 

Amputierte Arschbacken

Deutschland, Hamburg 2020 | Drehbuch und Regie: Claudia Tuyét Scheffel (geb. 1995)

Bei der Sichtung dieses Films hat eins der Jurymitglieder zwei Minuten vor dem Ende des plötzlich flehend gesagt: „Komm, bitte, bitte verkack es jetzt nicht!“ Da war uns der Film nämlich schon längst ans Herz gewachsen und der Preis quasi schon vergeben.

Der Film ist eine erfrischende Überraschung, eine eigenartige Geschichte im besten Sinne, in der Alltägliches und Eigentümliches, Reales und Surreales, Mystik und Humor miteinander verwoben werden. Eine Storyline die auf klassische Plotstrukturen verzichtet und einen eigenen atmosphärischen Flow findet. In kurzen Episoden werden unterschiedlichste Settings und Protagonist*innen eingeführt und mit viel Detailreichtum das schillernde Kaleidoskop einer Nacht und des Morgens danach gebaut, in dem Wirklichkeit und Halluzinationen verschmelzen.

Der Film spielt mit Dokumentarfilmästhetik und setzt auf eine Kamera, auf die, wie die Regisseurin des Films treffend beschrieben hat, kein Verlass ist und die sich eher für das interessiert was neben ihr ist als vor ihr. Er glänzt durch seine eigenständige Bildsprache, die wavy und mit swagger mit viel Lust für das Spielerische und Schräge erzählt.

Lobende Erwähnung

Bundes-Schülerfilmpreis

Furor.

Deutschland, 2020 | Drehbuch: Luna Jordan | Regie Luna Jordan (2000), Frida Lindenau (2003)

Der Tagebucheintrag einer Wütenden. Eine poetische Reflexion der Geschlechterrollen, des Erwachsenenwerdens und der eigenen Psyche.

Alone

Deutschland, Münster 2020 | Drehbuch: Amechi Oji | Regie: Amechi Oji (geb. 2007), Jakob Bey (geb. 2005)

Der Film nimmt sich einem ernsten Thema an: Cybermobbing, psychische Erkrankung und Suizid. Uns als Jury hat er vor allem mit seiner gelungenen Kamera und dem Schnitt überzeugt. Beeindruckt hat uns auch, dass die beiden den Film als kleines Team gestemmt haben. Weiter so!

 

Unsere Realität

Deutschland, Wuppertal 2020 | Regie: Stefanie Kinanga (geb. 2001), Samah Mustafa (geb. 2005) | Johannes Rau Gymnasium 

Anders als unser vorheriger Bundes-Schülerfilm-Preisträger ist der zweite Gewinnerfilm in dieser Kategorie innerhalb eines medienpädagogischen Schulprojektes entstanden.

Die Filmemacherinnen haben den Mut und die Courage bewiesen, sich dem Thema Rassismus auf einer persönlichen Ebene vor der Kamera zu widmen. In kurzen, eindrücklichen Szenen zeigen sie die schmerzvolle Erfahrung von Alltagsrassismus und Mikroaggressionen und wie man dem entgegentreten kann und sollte.

up-and-coming International Film Award

A Boy

Russian Federation 2020 | Drehbuch und Regie: Vitaly Akimov (geb. 1996)

The film describes the fate of the family as a metaphor in a very personal and intimate way for a society in a self-dissolving transformation process. Alcohol and violence act like a fire accelerators that are about to take the last human refuge - the family. 10 year old Stepan - step brother of the young filmmaker - impresses with his unmistakable way of telling and leads us like a door opener through the history of the family. A perfect duo that shows the microcosm of today's Russian provinces in a visually drastic but also entertaining way. Definitely worth seeing!

Aliya

Deutschland, München 2021 | Regie: Anna Zhukovets (geb. 1997), Kokutekeleza Musebeni 

This film does nothing less than burning down the patriarchy! The young and talented director impresses with a composed and aesthetic view on her protagonist and the provincial setting. She gives the audience time to follow her protagonist and adapt emotionally until she is suddenly thrown in an unbelievable situation.  The film is an important message for women’s rights and against oppressive traditions, wherever they are still upheld in this world.

 

Life's Meeting Room

United Kingdom 2021 | Drehbuch und Regie: Becky-Lulu Dartnell (geb. 1999)

Her precise and open eye for her characters, which she brings to life with stunning dedication to detail, is more than remarkable for our next winner. She gives her protagonists room to discuss the big philosophical questions in life, triggered by a global pandemic, without judging any of their conclusions or thoughts. No right answer is needed. She portrays her characters with such authenticity, that it feels like we’ve met them all outside of the Zoom-Meeting in real life. For creating such a vibrant and diverse ensemble, she truly deserves a price for best casting! So we congratulate Becky-Lulu Dartnell for winning the “up-and-coming” International Film Award 2021 for her film “Life’s Meeting Room”. 

Special Mention

Wir danken unseren Jurys!

To Kill the Birds & the Bees

 Singapore, 2021 | Buch und Regie: Calleen Koh Yee Lin (1999)

So we would like to give a special mention to Calleen Kho Yee Lin for her film “To Kill the Birds and the Bees”. She confronts us with our uptightness, relieves us with breaking tabus and makes us laugh while showing us the responsibility and necessity that lies within talking openly about sexuality. We hope your film will be seen by many more people and will lead to a more open discourse. 

© Alexander Martin

Jury — Deutscher Wettbewerb

Justin Peach (Dokumentafilmemacher), Lisa Krusche (Schriftstellerin), Jonas Karpa (Medienwissenschaftler)

 

© Alexander Martin

Jury — International Competition

Mareike Almedom (Drehbuchautorin), Liza Stutzky (Casting Director), Dobrivoie Kerpenisan (Dokumentarfilmemacher, Fotograf)

145 Filme sind nominiert!

• 67 Filme für den Deutschen Nachwuchsfilmpreis 2021
• 78 Filme für den up-and-coming International Film Award
• Zwei hochkarätig besetzte Fachjurys

Die Nominierungen sind gelaufen, die Juror:innen sitzen in den Sesseln – so langsam wird es ernst für die junge Filmszene, denn das up-and coming 2021 rückt näher. Während des Internationalen Film Festivals in Hannover gibt’s vom 22.-28. November 2021 außergewöhnliche Streifen zu sehen.

Das 16. up-and-coming Internationale Film Festival Hannover steht vor der Tür. Und erste Entscheidungen sind bereits gefallen. Eine siebenköpfige Vor-Jury hat sich durch das Feld der 4.029 eingereichten Bewerbungen gearbeitet und eine Vorauswahl für die beiden Wettbewerbe getroffen.

67 Produktionen wurden für den begehrten Deutschen Nachwuchsfilmpreis 2021 nominiert. Der wird gleich dreimal verliehen, ist mit jeweils 2000 Euro dotiert und die Sieger können sich zwei Jahre lang über die Unterstützung namhafter Pat:innen aus der Filmbranche freuen. Zudem können sich die vielversprechendsten Youngster den ebenfalls mit 2000 Euro dotierten Bundes-Schülerfilm-Preis sichern. Nicht nur deutsche Produktionen werden in Hannover gewürdigt. 78 Filme aus 37 Ländern werden gezeigt, wenn es vom 22. bis 28. November in Hannover um den ‚up-and-coming International Film Award‘ geht, der ebenfalls gleich dreimal verliehen wird.

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